Antibiotikaresistenz in aus lebenden Tieren und aus Fleisch isolierten Bakterien

Als Antibiotikum wird ein von lebenden Mikroben produzierter Wirkstoff bezeichnet, der andere Mikroben abtötet oder deren Wachstum verhindert. Die Bandbreite ihres Wirkungsgrades ist unterschiedlich – manche antimikrobiellen Substanzen wirken gegen zahlreiche Bakterienarten, andere nur gegen wenige.

Manche Bakterien haben eine natürliche oder erworbene Resistenz gegen Antibiotika. Die natürliche Resistenz bestimmter Bakterienarten ist der Hauptgrund dafür, dass nicht alle Antibiotikagruppen gegen alle Bakterienarten wirken. Erworbene Resistenz dagegen bedeutet, dass ein normalerweise für einen Wirkstoff anfälliger Bakterienstamm gegen diesen immun wird, sei es durch genetische Mutation oder als Folge horizontalen Gentransfers. Multiresistente Bakterien sind gegen mindestens drei Antibiotikagruppen gleichzeitig immun.

In den letzten Jahren hat zunehmende Antibiotikaresistenz zu Erkrankungen und Todesfällen bei Mensch und Tier geführt und steigende Gesundheitskosten bewirkt. Diese Entwicklung zählt zu den ernsthaftesten neuen Bedrohungen sowohl für die menschliche als auch für die Tiergesundheit. Umso wichtiger ist es, die Entstehung und Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterienstämmen zu verhindern. Die finnische Medikamentenverbotsvorschrift (1054/2014) untersagt bzw. beschränkt die Verabreichung von zur Behandlung schwerer Infektionskrankheiten beim Menschen vorgesehenen Antibiotika an Tiere. Sie gilt für sämtliche Tierarten und ist somit eine der strengsten diesbezüglichen Vorschriften in der gesamten EU.

Das bereits 2002 eingeführte finnische Überwachungsprogramm für Antibiotikaresistenz (FINRES-Vet)  untersucht die Antibiotika-Empfindlichkeit diverser Bakteriengruppen, darunter Erreger zoonotischer Infektionen und bestimmter Tierkrankheiten sowie Indikatorbakterien. Bei den letztgenannten handelt es sich um Bakterien, die in der Darmflora gesunder Tiere leben. Bei diesen Bakterien auftretende Resistenzen geben Aufschluss über in der jeweiligen Tierpopulation angewendete Antibiotikakuren. Neben der Resistenzsituation verfolgt das Programm auch die Verwendung von Zusatzstoffen im Futter

sowie die therapeutische Anwendung von Antibiotika in der Veterinärmedizin. FINRES-Vet ist ein Kooperationsprojekt der Lebensmittelsicherheitsbehörde Evira, der Arzneimittelbehörde Fimea sowie des Labors für klinische Mikrobiologie der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Helsinki. Im Jahr 2017 wurden in Finnland insgesamt 11 000 kg Antibiotika (reine Wirkstoffmenge) an Tiere verabreicht – weniger als je zuvor seit Beginn der statistischen Erfassung. Die durchschnittlich verkaufte Menge pro Jahr lag ab 2010 zunächst bei etwa 13,5 t und sinkt seit 2013 kontinuierlich. Gemessen an der Anzahl der Tiere ergibt dies einen der niedrigsten Werte in der EU (Gebrauch von Antibiotika). Die Verbrauchszahlen beruhen auf den präparatspezifischen Statistiken des Pharmagroßhandels und beinhalten daher keine Informationen über die Verabreichung an unterschiedliche Tierarten. Das in Finnland am häufigsten an Tiere verabreichte Antibiotikum ist Penicillin (als Injektion) mit begrenztem Wirkungsspektrum.

Der vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), der European Food Safety Authority (EFSA) und der European Medicines Agency (EMA) gemeinsam herausgegebene JIACRA-Bericht (Joint Interagency Antimicrobial Consumption and Resistance Analysis) analysiert die Verwendung von Antibiotika und das Auftreten von Resistenzen bei Menschen und Tieren innerhalb der EU. Im jüngsten JIACRA-Bericht (2017) wird auf den Zusammenhang zwischen an Nutztieren verabreichten Antibiotika und Antibiotikaresistenz beim Menschen hingewiesen.[1]

Mittlerweile existieren gesetzliche Grundlagen für die Verfolgung der Resistenzentwicklung in der EU. In der Durchführungsrichtlinie der Kommission (2013/652/EU) sind die jährlich zu untersuchenden Bakterien- und Tierarten sowie Lebensmittel definiert. FINRES-Vet setzt sowohl diese EU-Vorschriften als auch zusätzliche finnische Beschlüsse um. Die Ergebnisse für die wichtigsten Zoonoosebakterien (Salmonellen und Campylobacter) sowie für das Indikatorbakterium Escherichia coli werden jährlich im gemeinsamen Antibiotikaresistenzbericht von EFSA und ECDC präsentiert. In den Jahren 2015 und 2017 lag der Schwerpunkt der Resistenzkontrollen auf Rindern und Schweinen, 2016 dagegen auf dem Geflügelsektor.

Da Salmonellen in finnischen Tieren und Lebensmitteln insgesamt nur äußerst selten auftreten, ist auch das Vorkommen resistenter Stämme minimal. Die untersuchten Salmonellenkulturen sind normalerweise empfindlich für Antibiotika. Die vorbildliche Situation spiegelt sich auch in den EU-Berichten wieder: Finnland – wie auch Schweden – fehlen normalerweise in den Resistenzvergleichen der aus Tieren isolierten Salmonellen, da in beiden Ländern kaum Salmonellenstämme gefunden werden.

Anteil der gegen sämtliche untersuchten Antibiotika empfindlichen Salmonella spp.-Stämme und Anteil multiresistenter Stämme an der Gesamtzahl der aus Masthühnern isolierten Stämme 2016

Quelle: EFSA and ECDC, 2018. The European Union summary report on antimicrobial resistance in zoonotic and indicator bacteria from humans, animals and food in 2016. EFSA Journal 2018;16(2):5182, sivu 85. Link zum Bericht

Campylobacter-Bakterien sind in finnischen Masthühnern deutlich seltener als im EU-Durchschnitt und der Anteil antibiotikaresistenter Stämme ist minimal.  Auch gegen Ciprofloxacin resistente Campylobacter jejuni-Stämme wurden in finnischen Masthühnern nur sporadisch gefunden, mit Ausnahme von 2014 (25 %) und 2016 (8 %). Auch in diesen beiden Jahren lag der Anteil resistenter Stämme jedoch weit unter dem EU-Durchschnittswert von rund 70 %. Im Jahr 2017 konnte Finnland wieder das gewohnte hervorragende Ergebnis vorweisen: von den aus Masthühnern isolierten C. jejuni-Stämmen war kein einziger gegen die untersuchten Antibiotika resistent.

Anteil der gegen sämtliche untersuchten Antibiotika empfindlichen Campylobacter jejuni-Stämme und Anteil multiresistenter Stämme an der Gesamtzahl der aus Masthühnern isolierten Stämme 2016

Quelle: EFSA and ECDC, 2018. The European Union summary report on antimicrobial resistance in zoonotic and indicator bacteria from humans, animals and food in 2016. EFSA Journal 2018;16(2):5182, sivu 158. Link zum Bericht

Im Hinblick auf die Seltenheit der Antibiotikaresistenz bei aus Masthühnern isolierten E.coli-Stämmen nahm Finnland 2016 nach Island europaweit den zweiten Platz ein. Beim Vergleich der Multiresistenz lag Finnland nach Island und Norwegen auf dem drittbesten Platz: als multiresistent erwiesen sich nur 3,8 % aller aus finnischen Masthühnern isolierten E.coli-Stämme. Die Multiresistenzstatistik ist den PXWeb-Tabellen zu entnehmen.

Anteil der gegen sämtliche untersuchten Antibiotika empfindlichen Escherichia-coli-Indikatorbakterien und Anteil multiresistenter Stämme an der Gesamtzahl der aus Masthühnern isolierten E. coli-Stämme 2016 (%)

Quelle: EFSA and ECDC, 2018. The European Union summary report on antimicrobial resistance in zoonotic and indicator bacteria from humans, animals and food in 2016. EFSA Journal 2018;16(2):5182, sivu 187. Link zum Bericht

Auch die aus finnischen Schweinen isolierten Indikatorbakterien (E.coli) sind größtenteils empfindlich gegen sämtliche untersuchten Wirkstoffe: der Anteil der auf alle untersuchten Antibiotika ansprechenden Stämme war 2015 der zweithöchste in Europa (70,5 %). Entsprechend gering war der Anteil multiresistenter Stämme, von denen nur in norwegischen Schweinen noch weniger gefunden wurden als in Finnland.

Anteil der gegen sämtliche untersuchten Antibiotika empfindlichen Escherichia-coli-Indikatorbakterien und Anteil multiresistenter Stämme an der Gesamtzahl der aus Schweinen isolierten E. coli-Stämme 2015 (%)

Quelle: EFSA (European Food Safety Authority) and ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control), 2017. The European Union summary report on antimicrobial resistance in zoonotic and indicator bacteria from humans, animals and food in 2015. EFSA Journal 2017;15(2):4694, sivu 129.  Link zum Bericht

Das Vorkommen von multiresistenten ESBL-Bakterien in Nutztieren und deren Fleisch wird gemäß EU-Programm im jährlichen Wechsel zwischen Geflügel und Rindern/Schweinen kontrolliert. Bei der 2016 durchgeführten Untersuchung von Masthühnern wurden in Finnland nur bei 14 % der lebend untersuchten Hühner ESBL- und diesen ähnelnde AmpC-Bakterien gefunden (zweitbester Platz in Europa); bei den untersuchten Fleischproben war dieser Anteil mit 22 % der drittbeste im europäischen Vergleich. Die EU-weiten Durchschnittswerte lagen mit  47 % (lebende Masthühner) bzw. 57 % (Hühnerfleisch) deutlich höher. ESBL-Bakterien gelangen mit aus dem Ausland eingeführten Zuchtvögeln nach Finnland. Masthühner der Produktionsgeneration wurden in Finnland in den Jahren 2010-2017 in keinem einzigen Fall mit Antibiotika behandelt.

In finnischen Schweinen sowie im Rind- und Schweinefleisch wurden nur sehr wenige ESBL-Bakterien gefunden, in manchen Jahren überhaupt keine. Bei der 2017 durchgeführten Untersuchung lag der Wert für lebende Schweine bei 2,7 %. Bei Rind- und Schweinefleisch wurde kein einziges Vorkommen festgestellt. Die Vergleichsdaten der übrigen EU-Länder werden Anfang 2019 veröffentlicht.

 

Datenbanktabellen


Antibiotika-Empfindlichkeit und Multiresistenz nach Ländern, Masthühner – salmonella

Antibiotika-Empfindlichkeit und Multiresistenz nach Ländern, Masthühner – Campylobakteeri jejuni

Antibiotika-Empfindlichkeit und Multiresistenz nach Ländern, Masthühner – E. coli

Antibiotika-Empfindlichkeit und Multiresistenz nach Ländern, Schweine – E. coli

 

Fußnote


[1] EU report: more evidence on link between antibiotic use and antibiotic resistance, Link

 

Oberes Bild: Merja Outavaara/Evira

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